"Der erste Mac-Virus" - Dichtung und Wahrheit
Die Firma Intego, Hersteller von Antivirus-Software für den Mac, warnt vor einem so genannten "Trojaner" für MacOS X, den sie als "the first Trojan horse that affects Mac OS X" einstufen. Müssen wir nun auch auf dem Mac eine Viren-Flut befürchten?
Zunächst einmal soll der Trojaner näher betrachtet werden. Es handelt sich hierbei nämlich keineswegs um das Werk eines böswilligen Virenautors, sondern zunächst "nur" um einen Proof-Of-Concept, d.h. eine (harmlose) Demonstration. Alle möglichen Schäden, die Intego in der Pressemitteilung erwähnt, sind (derzeit) lediglich theoretischer Natur und werden von dieser Trojaner-Demo nicht verursacht.
Die Demo wurde von Bo Lindbergh in einem Newsgroup-Posting veröffentlicht und funktioniert folgendermassen: Es handelt sich um ein Programm, das im Finder wie eine MP3-Datei angezeigt wird. Und tatsächlich enthält es auch MP3-Daten, so dass es bei einem Doppelklick in iTunes abgespielt wird. Gleichzeitig wird aber eben auch das Programm gestartet. Die Demo zeigt also, dass man unaufmerksame User dazu bringen kann, ein Programm auszuführen, während sie glauben, es mit einer harmlosen MP3-Datei zu tun zu haben. Wie man in dem Screenshot sieht, wird die Datei, trotz MP3-Icon, vom Finder aber korrekt als Programm erkannt und auch als solches angezeigt.
Bei der Demo handelt es sich um ein Carbon-Programm und darauf beruht auch die ganze Täuschung. Während sich nämlich der Programmcode in der Resource-Fork versteckt, enthält die Daten-Fork die MP3-Daten. Das schränkt (glücklicherweise) auch die Chancen auf Verbreitung eines so aufgebauten Trojaners ein, denn die Resource-Fork würde bei einem Download aus dem Internet verloren gehen - das Programm muss immer gepackt (als StuffIt-Archiv) oder entsprechend kodiert (als Binhex-Datei) werden. Der Trick kann mit MacOS X-native Programmen (Cocoa-Applikationen) so nicht wiederholt werden.
Wie groß ist die Gefahr nun also wirklich? Noch einmal: Von dieser Demo geht keine Gefahr aus. Sie kann jedoch als Vorlage für wirklich gefährliche Trojaner dienen (und auf solche wird man nicht lange warten müssen). Ein Trojaner ist jedoch nicht das gleiche wie ein Virus - das Programm gibt vor, etwas anderes (in diesem Fall: eine MP3-Datei) zu sein. Das heißt aber noch nicht, dass es sich auch verbreitet wie ein Virus bzw. Wurm. Bis jemand eine wirkungsvolle Verbreitungsmöglichkeit für Viren/Würmer unter MacOS X gefunden hat, wird man den Trojaner erst einmal von irgendwo herunterladen müssen.
Hier ist also (wieder einmal) der gesunde Menschenverstand gefragt: Auf Dateien, die aus unbekannten Quellen stammen, sollte man nun einmal nicht einfach so draufklicken. Die gleiche Täuschung lässt sich auch leicht auf andere Dateitypen (Bilder, Filme) anwenden, also sollte man nicht nur bei MP3-Dateien misstrauisch sein.
Beitrag von: Dirk (09. Apr. 2004)
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